Studie Architekturreview EasyGov: Integrations-Sollarchitektur für Behördenleistungsportale

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat per 9. Mai 2022 die «Studie zur Integrations-Sollarchitektur für Behördenleistungsportale» publiziert. Die vorliegende Studie wurde im Rahmen der E-Government-Strategie Schweiz durchgeführt und zeigt Lösungen auf, wie die Interoperabilität zwischen Behördenportalen umgesetzt werden kann. Ziel ist es in einem nächsten Schritt Standards zu definieren, die eine für das Zusammenwirken der Behördenleistungsportale nötige Daten- und Prozessinteroperabilität ermöglichen. Die schrittweise Umsetzung der Integrations-Sollarchitektur soll im Rahmen der Digitalen Verwaltung Schweiz (DVS) weiterverfolgt werden.

E-Government in einem föderalen Staat bleibt Herausforderung
Digitalisierung seitens Behörden findet seit weit mehr als zehn Jahren Ausdruck darin, dass Behördenleistungen über Portale angeboten werden. Ein erfolgreiches Beispiel ist der im Jahr 2017 lancierte Online-Schalter für die Wirtschaft «EasyGov.swiss», bei dem sich per Ende April 2022 bereits rund 57’000 Unternehmen registriert haben und die aktuell 40 angebotenen Behördenleistungen nutzen. Eine grosse Herausforderung bleibt, Leistungen von über 3’000 Behörden in der Schweiz über drei föderale Ebenen hinweg in Portalen für die Bevölkerung und die Unternehmen zielführend zu integrieren.

Anstoss zur Studie gab der geplante Ausbau von EasyGov als One-Stop-Shop für Unternehmen. Sowohl Unternehmen als auch die Bevölkerung möchten Behördenleistungen zunehmend digital beziehen. Nebst einem Komfortgewinn für die Benutzenden durch einen medienbruchfreien Austausch mit Behörden von Bund, Kantonen und Gemeinden, können digital zur Verfügung gestellte Behördenleistungen flexibler, effizienter und in höherer Qualität durch die Behörden angeboten werden. Die nun vorliegende Studie wurde in Abstimmung mit dem Planungsausschuss von E-Government Schweiz realisiert. Die Integrations-Sollarchitektur für Behördenleistungsportale wurde iterativ in einer Workshop-Reihe zusammen mit Fachperso-nen von Bund, Kantonen und Gemeinden erarbeitet.

Ziel der Studie
Ursprüngliches Ziel der Studie war, die Machbarkeit der Integration von Bundes-, kantonalen und kommunalen Leistungen auf einem E-Government Portal wie beispielsweise EasyGov aufzuzeigen. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass die dafür nötige «Messlatte» eines übergreifenden konzeptionellen Fundaments fehlt. Deshalb stand zunächst die grobe Formu-lierung einer Integrations-Sollarchitektur für Behördenleistungsportale im Vordergrund, welche das Zusammenspiel zwischen öffentlichen Portalen und behördeninternen Fachsystemen im Sinne des ursprünglichen Ziels beschreibt. Anhand dessen wird das SECO in einem zweiten Schritt das Portal EasyGov analysieren, um Lücken in Bezug auf die Sollarchitektur schliessen zu können.

Elemente der Integrations-Sollarchitektur
Die Integrations-Sollarchitektur benennt Muster zur Integration von Behördenleistungen auf einem Portal, definiert den nötigen Interoperabilitätsrahmen (Identifikatoren, kontrolliertes Vokabular) und die aus den Integrationsmustern resultierenden Schnittstellen mit Bezug auf be-stehende eCH-Standards. Im Rahmen der Studie wurden die zu regelnden Themenbereiche abgesteckt und fundamentale Festlegungen getroffen, aber es erfolgte keine detaillierte Spezifikation. Dies bleibt der Vertiefung zu einem künftigen eCH-Standard vorbehalten.

Nutzen der Integrations-Sollarchitektur
Das Fundament der Integrations-Sollarchitektur ermöglicht ein «Ökosystem», welches neben der üblichen Portalausrichtung auf das Leistungsangebot einer bestimmten Behörde auch übergreifende Portale (wie z. B. EasyGov) fördert, indem es eine auf Kundenanliegen ausge-richtete Orchestrierung von Leistungen – ungeachtet ihrer jeweiligen behördlichen oder föde-ralen Zuständigkeiten – auf einem Portal vereinfacht. Im Ergebnis soll man als Portalbetreiber nicht für jede Integration einer Behördenleistung vor der Herausforderung stehen, individuelle Architekturen und Schnittstellen verhandeln und umsetzen zu müssen. Denn letztlich wün-schen sich Benutzende Portale, von denen sie mit einem einzigen Login aus all ihre Behördengänge erledigen können und dabei keine Daten doppelt erfassen müssen (Once-Only Prinzip).

Schrittweise Umsetzung durch die Digitale Verwaltung Schweiz (DVS)
Nach Abschluss der Studie durch das SECO soll die schrittweise Umsetzung der Integrations-Sollarchitektur im Rahmen der DVS weiterverfolgt werden. Im ersten Schritt wird die Konkreti-sierung der Sollarchitektur in Form eines oder mehrerer Standards angestrebt. Um die Standardisierung auf Erfahrungswerten abstützen zu können, wird die Umsetzung von Pilotprojekten mit Einbezug von Behörden auf allen föderalen Ebenen empfohlen. Soweit möglich wird die Soll-Architektur in aktuellen Vorhaben einbezogen.

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